Therapie

Da über Fatigue und ihre Ursachen noch wenig bekannt ist, gibt es auch bislang nur wenige gesicherte und erfolgversprechende Therapieansätze. Dabei ist zwischen gezielten medikamentösen und nicht-medikamentösen Interventionen zu unterscheiden. Darüber hinaus gibt es die individuelle Beratung, die helfen soll, mit den durch Fatigue verursachten Einschränkungen in den verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens besser umzugehen.

Der erste und naheliegendste Ansatz in der Therapie besteht darin, bekannte Ursachen für Fatigue zu finden – und wenn möglich – zu beheben. Gerade im Rahmen der akuten Tumortherapie gilt es, diese scheinbar als unabwendbare und notwendige Nebenwirkung akzeptierte „Erschöpfung“ genau zu überprüfen. Durch eine erfolgreiche Intervention bei akuter Fatigue lässt sich nicht nur die Lebensqualität deutlich bessern, sondern auch die Verträglichkeit der Therapie und damit deren Durchführung optimieren. Man vermutet heute weiterhin, dass damit auch der Therapieerfolg beeinflusst werden kann. Daher sollte der Patient die behandelnden Ärzte immer genau über sein Befinden informieren, denn jede Änderung kann von Bedeutung sein. Der Arzt kann nur behandeln, was er erkennt.

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Behandelbare Ursachen

Zu den behandelbaren Ursachen gehören als häufigste die Anämie (Blutarmut), aber auch andere Stoffwechselstörungen wie eine Schilddrüsenfehlfunktion oder z.B. eine Kortison-induzierte Zuckererkrankung. Diese als organisch anzusehenden Ursachen von Fatigue können in der Regel medikamentös behandelt werden.
Im Falle der Anämie kann die Gabe von Erythropoietin oder Bluttransfusionen den Hämoglobingehalt des Blutes erhöhen und damit eine verbesserte Sauerstoffversorgung des Körpers erzielt werden. Natürlich können auch Medikamente selbst (z.B. gegen Schmerzzustände) Müdigkeit und Abgeschlagenheit hervorrufen und eine bestehende Fatigue verstärken und verschlimmern.

Therapieansätze

Kann keine der bekannten Ursachen für Fatigue eindeutig festgestellt werden, orientiert sich die Therapie an den entsprechenden Ausprägungsformen von Fatigue, welche hauptsächlich drei Bereichen zugeordnet werden können: dem körperlichen, dem emotionalen und dem mental-kognitiven Bereich. Häufig ist eine Kombination dieser Bereiche zu finden. Entsprechend dieser groben Unterteilung werden im Folgenden die zur Zeit wichtigsten verfügbaren Therapienansätze dargestellt.

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Körperlicher Bereich

Gezieltes körperliches Training kann die Leistungsfähigkeit der Patienten verbessern und damit die Ausprägung insbesondere von körperlicher Fatigue effektiv mindern. Wichtig ist, dass mit diesem Training nicht erst nach Beendigung einer Therapie begonnen wird, sondern möglichst frühzeitig – am besten mit Therapiebeginn. Das Ziel ist hierbei, unter medizinischer Kontrolle und unter Vermeidung von Überbeanspruchung, mit leichten Dauerbelastungen den Körper gleichmäßig zu trainieren, zum Beispiel mit einem Fahrradergometer, einem Laufband oder ähnlichen Trainingsmaßnahmen. Damit kann die körperliche Leistungsfähigkeit des Patienten erhalten oder sogar gesteigert werden. Man sollte also von Beginn an die körperliche Betätigung suchen und nicht jegliche Anstrengung vermeiden. Die positiven Effekte dieser kontrollierten Trainingsmaßnahmen sind mittlerweile auch durch wissenschaftliche Untersuchungen gut belegt. Dass durch körperliches Training aber nicht nur die Leistungsfähigkeit verbessert wird, sondern auch das Gesamtbefinden und die subjektive Lebensqualität positiv beeinflusst werden, ist darüber hinaus allgemein bekannt und kann ebenfalls als wissenschaftlich gesichert gelten.

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Emotionaler Bereich

Im emotionalen Bereich wirkt sich Fatigue vor allem auf Stimmung, Motivation und Antrieb aus. Auch diese Störungen können einzeln oder kombiniert auftreten. Die Therapieansätze sind hier weniger gesichert, da auch noch erhebliche Unklarheiten darüber bestehen, ob beispielsweise niedergedrückte, hoffnungslose und traurig-ratlose Stimmung einen ganz eigenen Ausdruck von Fatigue darstellen kann oder doch als eine begleitende depressive Verstimmung zu werten ist. Die bisherigen Versuche einer medikamentösen Behandlung dieser Störungen mittels Antidepressiva haben zu keinen überzeugenden Ergebnissen geführt, so dass weitere wissenschaftliche Studien notwendig sind, um Klarheit darüber zu schaffen, ob und unter welchen Umständen antidepressiv wirkenden Medikamente zur Therapie von Fatigue sinnvoll eingesetzt werden können. Im Augenblick kann eine solche Behandlung mittels Antidepressiva nicht generell empfohlen werden.

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Zur Anwendung kommen weiterhin psychotherapeutische Verfahren, hier vor allem verhaltenstherapeutische Vorgehensweisen. In Einzel- oder Gruppengesprächen wird versucht, Verhaltens- und Erlebensmuster so zu beeinflussen, dass Fatigue vermindert und nicht noch zusätzlich verstärkt wird. Betroffene sollten auf jeden Fall qualifizierte professionelle Therapeuten in Anspruch nehmen, die auch mit dem speziellen Krankheitsbild von Fatigue bei Krebs vertraut sind (siehe Adressenteil). Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass tumorbedingte Fatigue nicht mit dem sogenannten „Chronic Fatigue Syndrome (CFS)“ verwechselt werden sollte, weil dafür andere Ursachen angenommen werden und damit auch andere Therapieverfahren gelten.

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Mental-kognitiver Bereich

Im mental-kognitiven Bereich beziehen sich die Auswirkungen von Fatigue besonders auf Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und die gesamte geistige Leistungsfähigkeit (z.B. einen Zeitungstext lesen, verstehen und eine angemessene Zeit im Gedächtnis behalten können oder einer Fernsehsendung über die gesamte Zeit folgen können). Auch hierbei können Beeinträchtigungen einzeln oder kombiniert auftreten. Wie bei den emotionalen Anteilen von Fatigue sind mögliche Therapieansätze noch wenig gesichert, und es gibt noch keine ausreichenden Studienergebnisse dazu.
Eine medikamentöse Behandlung von Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen wird zur Zeit mit sogenannten „Psychostimulantien“ versucht. Zur Zeit muss eine solche Behandlung aber noch wissenschaftlichen Studien vorbehalten bleiben und kann nicht allgemein empfohlen werden. Ob verhaltenstherapeutische Behandlungsprogramme für die mental-kognitiven Beeinträchtigungen sinnvoll eingesetzt werden können, bleibt ebenfalls abzuwarten.

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Jenseits der zielgerichteten Therapieverfahren richtet sich eine individuelle Beratung danach aus, die durch Fatigue verursachten Einschränkungen in den verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens zu mindern. Je nach Lebenssituation geht es dabei um eine Tages- und Wochengestaltung, welche die verminderte Leistungsfähigkeit im körperlichen, emotionalen und mental-kognitven Bereich angemessen berücksichtigt, und die Angehörigen des Patienten und sein Umfeld einbezieht.

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