Die Ursachen einer Fatigue gelten als komplex, denn in der Regel spielen mehrere Faktoren, die sich gegenseitig verstärken, eine Rolle. Körperliche, seelische und soziale Umstände beeinflussen Ausmaß und Verlauf einer Fatigue. Warum manche Patienten an Fatigue leiden und andere nicht, ist bislang nicht vollständig geklärt.

Die Tumorassoziierte Fatigue kann viele unterschiedliche Ursachen haben

Tumor als möglicher Auslöser

Bei einer Krebserkrankung kann der Tumor selbst eine Fatigue auslösen. Denn Tumorzellen wachsen schneller als gesunde Zellen und verbrauchen daher viel mehr Energie. Der Tumor beeinflusst den Stoffwechsel, das Immunsystem und auch die Hormone des Erkrankten. Verschiedene Hormone steuern zum Beispiel den Schlaf-Wach-Rhythmus. Die Krebserkrankung kann die Ausschüttung dieser Stoffe aus dem Gleichgewicht bringen und so Erschöpfung und Abgeschlagenheit auslösen.

Auch die Therapie kann die Entstehung einer TF begünstigen

Typischerweise tritt eine plötzlich auftretende Fatigue im Zusammenhang mit einer Tumortherapie auf. Jedoch klingen nach Ende der Therapie die Beschwerden in den meisten Fällen rasch ab.

  • Die Chemotherapie soll das Wachstum und die Vermehrung der Tumorzellen hemmen. Sie greift aber auch gesunde Zellen an und schwächt dadurch den Körper. Auch die Strahlentherapie führt je nach Körperstelle und Größe des bestrahlten Bereichs möglicherweise zu Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Was genau bei der Strahlentherapie die Fatigue verursacht, ist nicht bekannt.
  • Die Immuntherapie stimuliert die körpereigenen Immunzellen dazu, die Krebszellen anzugreifen. Das führt oft zu grippeähnlichen Symptomen, wie Muskel- und Knochenschmerzen, Fieber und Abgeschlagenheit.
  • Vermehrte Müdigkeit kann auch eine Nebenwirkung verschiedener Medikamente sein, wie zum Beispiel Schmerzmittel oder Medikamente gegen Übelkeit.
  • Auch nach einer Operation können Betroffene sich durch Blutverlust, die Veränderung des Wasser- und Mineralienhaushalts sowie durch die Narkose und die Wundheilung für einige Tage bis Wochen vermehrt erschöpft fühlen.

Die gute Nachricht: Viele Ursachen sind gut behandelbar

Eine weitere mögliche Ursache für Fatigue gerade im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung ist Blutarmut. Dabei kommt es zu einer Verringerung der Anzahl roter Blutkörperchen. Diese transportieren den Sauerstoff aus der Lunge über den Blutkreislauf in den gesamten Körper. Sind aber nur wenige rote Blutkörperchen vorhanden, fehlt dem Körper Sauerstoff. Betroffene fühlen sich schwach.

Eine Mangelernährung oder ein Gewichtsverlust während der Krebstherapie können dazu beitragen, dass dem Körper wichtige Vitamine, Mineral- und Nährstoffe fehlen. Der Körper versucht, das Energiedefizit zum Beispiel mit dem Abbau von Muskelgewebe auszugleichen. Die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt ab. Möchte der Patient jetzt Kräfte sparen, in dem er sich weniger bewegt, baut der Körper nun auch die Muskeln ab, die jetzt nicht mehr regelmäßig benutzt werden. Der Patient fühlt sich deshalb immer schwächer, vermeidet weitere Anstrengungen und wird immer weniger aktiv. So entsteht durch mangelnde Bewegung ein Teufelskreis. Muskelabbau und Kraftlosigkeit verstärken sich gegenseitig.

Auch Schlafstörungen können zu Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen führen. Im Schlaf finden für Körper und Gehirn unverzichtbare Regenerations- und Speicherprozesse statt. Wer nicht ausreichend geschlafen hat, fühlt sich morgens gereizt, angespannt und nicht leistungsfähig.

Auch Begleiterkrankungen, Organschäden, Hormonmangel oder chronische Infekte führen zu Erschöpfung und Kraftlosigkeit.

Erkrankungen wie Krebs sind eine große psychische Belastung für Betroffene, denn eine veränderte Lebenssituation oder die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod können Stress oder sogar Depressionen auslösen. Eine Depression kann eine TF begleiten, sollte aber nicht mit ihr verwechselt werden.

Auch soziale Belastungen können gerade bei der Entstehung einer Tumorassoziierten Fatigue (TF) eine große Rolle spielen. Soziale und familiäre Strukturen werden durch die Erkrankung oft auf den Kopf gestellt, dadurch reagieren Betroffene verunsichert. Finanzielle Sorgen können zudem existenzielle Ängste verstärken. Mangelndes Verständnis für die Auswirkungen der Fatigue in Familie und Freundeskreis können zusätzlich Energie rauben.

Bei einer Tumorassoziierten Fatigue greifen unterschiedliche Ursachen ineinander. Bestimmte Faktoren, die eine Fatigue auslösen oder verstärken, lassen sich aber gut behandeln und so die Beschwerden lindern. Es ist deshalb wichtig, den jeweiligen Ursachen so gut wie möglich auf den Grund zu gehen.